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Wir waren lose auf der Suche nach einem neuen Zweithund, nachdem unsere alte Hündin verstorben war. Über mehrere Ecken stießen wir dann auf unsere altdeutsche Hütehündin. Geboren in einer Schäferei, mit 8 Wochen an die Vorbesitzerin abgegeben, die nach weiteren 6 Monaten schließlich dann doch befand, dass sie nicht mehr genügend Zeit für den Junghund aufbringen könnte. Zu dem Zeitpunkt war sie 10 Stunden am Tag alleine und als Ausgleich dazu gab es eine dreistündige Gassirunde mit einer Gassigängerin.
Mit meinem jetzigen Wissensstand hätte ich die Red Flags gesehen und gehört, nahm sie zu dem damaligen Zeitpunkt allerdings nur als „normalen Arbeitsaufwand“ wahr, den wir mit angepasster Auslastung und Erziehung schon in den Griff bekommen würden. Der Hund war immerhin gerade mal 8 Monate alt.
Ein Hütehund, der ausschließlich gelernt hat, dass er draußen durchgängig durch die Wallachei ballern kann, stellte sich dann allerdings als sehr, sehr langwierigen und nicht „normalen Arbeitsaufwand“ heraus.
Spaziergänge bedeuteten ab Tag 1 permanenten Stress, beim Hund und bei mir. Sie knallte wie ein Pingpongball mit voller Wucht in die kurze Leine und wieder zurück, wenn man sie davon abhielt, wie ein Ochse nach vorne zu ziehen.
Das gleiche zeigte sie zuverlässig an der Schleppleine, bei der sie die 15m im Vollsprint zurücklegte, nur um unsanft vom Ende gebremst zu werden, wieder zurück zu rennen und das gleiche Spiel von vorne zu starten. Sie saugte sämtliche Reize, die die Natur zu bieten hatte auf, um etwas Jagdbares zu finden. War kein Vogel, Eichhörnchen etc. sichtbar, hetzte sie auch einfach so los, in der Hoffnung auf dem Weg etwas zu finden.
Ich kontaktiere eine rein positiv arbeitende Trainerin, die mir zusicherte, sich mit reaktiven und hibbeligen Hunden auszukennen. Wir probierten es eine Weile damit, die Dauer der Spaziergänge auf ein Minimum zu reduzieren, um den Hund von der Sucht wegzuholen und runterzufahren. Dies verschlimmerte das ganze Verhalten aber nur. Als die nächsten Vorschläge dann darauf abzielten, den Hund auf den Spaziergängen dauerzubeschäftigen, meldete ich mich bei Corinna.
Wir begannen, die Auseinandersetzung mit der Umwelt zu belohnen. Gezielt Reize anschauen, dann dabei ruhig bleiben, sich abwenden. Nicht ins Ende der Schleppleine brettern, sondern auf Signal vorher stehen bleiben. Es besserte sich einiges, aber nur sehr langsam. Ich habe auf unserem Weg sehr oft gezeweifelt, ob wir jemals an einen Punkt kommen, in dem der Alltag mit ihr „ok“ ist. Nach zwei Jahren zog ich sogar (sehr kurz, aber ich tat es) ernsthaft eine Abgabe in Betracht, weil ich an den Rand meiner nervlichen Belastbarkeit kam. Ich hatte schon einige Hunde bei mir wohnen – keiner hat mich so an meine Grenzen gebracht, wie diese Hündin.
Ihr das Prinzip der Leinenführigkeit beizubringen ging nur sehr zäh und funktioniert bis heute nicht komplett zuverlässig.
Wirklich einen Fuß in die Tür bekamen wir, als ich sie hinter mich schicken konnte. Es war nun möglich, sie von dem extrem vorwärtsdenkenden Schema wegzuholen. Ich konnte mal durchatmen und ihre Zwangshandlungen unterbrechen.Irgendwann stellte ich fest, dass sie sich an Feldern weniger hochspulte, als im Wald. Seitdem gehen wir hauptsächlich dort.
Nach und nach fruchtete die ganze Grundlagenarbeit: sie ließ sich nicht mehr von Vögeln triggern, zeigt Wild und andere Tiere an, kann zwischendurch wie ein ganz normaler Hund in lockerem Trab Gassi gehen.

Flüchtendes Wild ist nach wie vor ein Thema, deswegen bleibt sie sicherheitshalber an der Schleppleine. Sie hat gute und schlechte Tage; selbst die Spaziergänge sind in gute und schlechte Abschnitte einteilbar.

Dafür war und ist sie immer wahnsinnig bemüht, ist bei allem mit Begeisterung dabei und gibt immer 100%. Sie hat eine Dummyprüfung der mittleren Schwierigkeitsklasse mit Bravour bestanden, wir haben verschiedene Mechanismen um die Erregungslage immer wieder runterzufahren und auch, wenn sie niemals ein Selbstläufer wird, haben wir dank Corinna unseren Weg gefunden.

Carolin mit Samira

Hi Corinna, ich wollte mich einfach mal bei dir für das tolle Training bedanken. Ich war heute zum ersten Mal seit längerem mit einer guten Freundin und ihrem kleinen Pudelchen spazieren und Bounty war fast die ganze Zeit im Freilauf und hat den anderen Hund komplett in Ruhe gelassen (anfangs mit Anleitung und zum Ende von alleine). Was ein Erfolg- das war vor einem Jahr noch undenkbar 😃

Tanja mit Dalmatiner Bounty