Hunde, die alt werden sollen

Hunde, die alt werden sollen

Diesen Blog-Artikel schreibe ich aus ganz persönlicher Sicht. Ohne wissenschaftlich recherchierte Hintergründe. Deshalb wollte ich ihn eigentlich auch nicht schreiben, aber ich erhalte immer wieder die gleichen Fragestellungen im Bezug auf meine alten Hunde. Und ich kann verstehen, dass mir diese Fragen gestellt werden, denn meine Hunde wurden bisher alle alt bis sehr alt. Es sind immer noch zu wenige um daraus eine statistische Größe zu machen. Dessen bin ich mir bewusst. Vielleicht ist alles nur Zufall. Vielleicht tragen aber doch einige Faktoren dazu bei, dass sie nicht einfach nur alt werden, sondern im Seniorenalter auch noch recht fit sind. Daher beschreibe ich jetzt einfach aus dem Bauch heraus was ich denke, welche Faktoren eine Rolle spielen könnten, dass mir das bisher gelungen ist.

Zunächst möchte ich die „statistische Größe“, die eben keine ist, zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels benennen. Es ist August 2026. Zu diesem Zeitpunkt habe ich fünf Hunde durch ihr Leben begleitet und fünf noch Lebende an meiner Seite. Die fünf Verstorbenen wurden 18 Jahre (Wolfspitzmischling aus dem Tierheim), 16,5 Jahre (Border Collie aus dem Tierheim), 14,5 Jahre (Altdeutscher Hütehund), 17,5 Jahre (Border Collie) und 17,5 Jahre (Mittelspitz). An meiner Seite sind noch eine Border-Collie-Hündin mit 18 Jahren, ein Border-Collie-Rüde mit 14 Jahren, eine Koolie-Hündin mit 12 Jahren, eine Border-Collie-Hündin mit 9 Jahren und eine Border-Collie-Hündin mit 3 Jahren.

Die sind bestimmt nie krank!
Viele wollen gerne, dass ihr Hund ebenfalls möglichst lange an ihrer Seite ist – was ich absolut nachvollziehen kann – und denken, wenn sie das lesen: „Boah, hat die ein Glück, dass die nie krank sind!“ Das stimmt und stimmt auch nicht. Die meisten dieser Hunde haben tatsächlich die meiste Zeit ihres Lebens keine nennenswerten Erkrankungen gehabt. Das ist aber nicht damit gleichzusetzen, dass diese Hunde nicht beim Tierarzt waren. „Alt werden“ heißt in der Regel „krank werden“. Denn das ist der Prozess des Alterns. Ich stecke einiges an Zeit und Mühe in die Vorsorge. Und reagiere schnell, wenn ich etwas bemerke. Beobachten heißt nämlich meist nur herauszögern und warten bis es schlimmer wird.
Ich nehme dann auch das Geld in die Hand um bei einem Facharzt vorstellig zu werden. Nicht, weil ich meiner Haustierärztin nicht vertraue, ganz im Gegenteil: Sie ist die beste Haustierärztin, die man haben kann! (Bitte mit einem Augenzwinkern lesen, denn es gibt natürlich noch ganz viele andere Haustierärzte, die topp Arbeit leisten!) Meine Haustierärztin begrüßt es nicht nur, dass ich Fachärzte ins Boot hole, sie verweist sogar darauf. In Kooperation mit diesen kann sie meinen Hunden nämlich viel schneller und nachhaltiger helfen. Sie tauscht sich im Bedarfsfall mit ihnen aus um meine Tiere bestmöglich zu versorgen.

Medizinische Behandlungen, Vorsorge, Operationen …
Im Bezug auf meine älteren Hunde heißt das aber ganz konkret, dass ich viel Geld in ihre gesundheitliche Versorgung stecke. Wenn es mir möglich ist, warte ich auf keinen Fall bis etwas eskaliert, sondern reagiere sofort, wenn das Problem am besten noch winzig klein ist. Das führte z. B. dazu, dass ich meiner kurz vor dem siebzehnten Geburtstag stehenden Hündin einen Knubbel am Karpalgelenk für viel Geld in einer topp ausgestatteten Klinik von einem Facharzt wegoperieren ließ. Dieser Knubbel machte meinem Hund zu diesen Zeitpunkt (noch) keine Probleme. Hätte das aber in der Zukunft eventuell getan. Ob das tatsächlich so eingetreten wäre, weiß ich natürlich im Nachgang nicht. Und ich wusste zu dem Zeitpunkt auch nicht, wie lange meine Hündin noch leben würde. Aber genau das ist der Punkt: Wenn meine Hunde von der gesamten Konstitution gut da stehen, sodass ich davon ausgehen kann, dass sie sich nach einer OP in einem Zeitrahmen erholen, der ihnen noch einige gute Tage, Wochen oder Monate ermöglicht, versuche ich die Behandlung möglich zu machen. Im Grunde unterscheidet sich da mein Vorgehen erst mal nicht zu meinen jüngeren Hunden.

Das war übrigens nicht die einzige OP bei diesem Hund. Ein Jahr zuvor wurde sie kastriert. Nein, nicht als Notfall aufgrund einer Pyometra, sondern wegen Zyklusstörungen. Es war mir zu riskant zu warten bis es schlimmer würde. Kleine Zusatzinfo: Der Hund hat keine Kranken- oder OP-Versicherung.
Zwei Jahre zuvor stellte ich sie übrigens mit etwas stumpfem Fell bei meiner Haustierärztin vor. Ein alter Hund mit stumpfem Fell. Da werden viele sagen: „Ist doch normal.“ Nein, ist es nicht und ich hatte recht. Es stellte sich eine altersbedingte Schilddrüsenunterfunktion heraus, die im Übrigen schon beim Verdauungstrakt Symptome zeigte. Und zwar in der Form, dass die Hündin nachts hin und wieder raus musste um einen (ganz normalen) Haufen zu machen. Viele würden jetzt sagen: „Naja, bei einem alten Hund von 13 Jahren ist das doch normal, der kann halt nicht mehr so lange einhalten.“ Nein, ist es nicht. Nebenbei bemerkt hatte sie ein Jahr zuvor einen Fieberschub mit Schmerzen im Bauchraum. Da meine Haustierärztin bei dem Zusammenbruch meines Hundes mitten in einer OP steckte, ging ich andernorts in eine Notaufnahme. Dort musste ich leider zunächst diskutieren, dass es meinem Hund akut richtig schlecht ging, denn die Ärzte hielten es für normal, dass ein Hund in dem Alter lethargisch in den Behandlungsraum schlich. Oje. Irgendwann klappte es dann aber mit dem Informationsaustausch. Das Fieberthermometer zeigte eine viel zu hohe Temperatur. Der Arzt schallte den Bauchraum und gab die Info, dass der Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit einen großen Lebertumor hat und bald sterben würde. Der Hund bekam richtigerweise Medikamente zur Behandlung der akuten Symptome. Ich machte an dem Tag direkt einen Termin in der Onkologie einer renommierten Tierklink aus. Beim CT kam zutage, dass mein Hund keinen Tumor hat, sondern schlicht altersbedingte Veränderungen und die Symptome (Fieber, Schmerzen) eine andere Ursache haben mussten. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Erreger handelte, der die Probleme machte. Dieser konnte nur über eine längere Gabe von Antibiotikum in den Griff bekommen werden, was auch gelang. Meine Hündin wurde wieder komplett gesund. Ohne weitere Untersuchungen hätte ich das nicht gewusst, ich hätte ihr das Antibiotikum nicht gegeben und sie wäre an dem Infekt irgendwann gestorben … und ich hätte gedacht, dass es wegen des Lebertumors wäre …
Und, hat jemand mitgerechnet wie viel Geld ich für diesen Hund ab dem Alter von 13 Jahren ausgegeben habe? Nein, ich bin nicht stolz drauf. Aber es war eben der Lauf der Dinge.
Außerdem war sie mit 12 Jahren noch wegen eines Muskelfaserrisses im MRT, der zum Glück auch vollständig ausheilte. Die ganzen Kleinigkeiten, die im Alter noch mal auftreten können, wie die Bauschspeicheldrüsenentzündung mit 17 Jahren, das Vestibularsyndrom etc. habe ich noch gar nicht mit aufgezählt. Nein, auch meine Hunde sind keine Wunderhunde, die einfach „gesund“ und ohne medizinische Versorgung uralt werden.

Schonen bei akuten Erkrankungen
Wenn meine Hunde akut erkrankt sind, werden sie geschont. Die Begrifflichkeit scheint verschiedene Assoziationen bei Hundehaltern auszulösen. Ich hatte schon Leute in meinen Grunderziehungskursen, die mir nach der Hälfte der Stunde mitteilten, dass der Tierarzt gesagt hätte, sie sollen ihren Hund schonen. WUAH! Warum ist der Hund dann hier???
Schonen heißt bei mir: Nichts tun. Also, wirklich gar nichts. Nicht mal kurz ein bisschen um den Block, nicht mal ein bisschen beschäftigen, nichts dergleichen. Also wirklich nichts! Das mache ich um dem Körper die Möglichkeit zu geben, die akute körperliche Baustelle möglichst effektiv bearbeiten zu können. Alle Energie soll dafür genutzt werden können. Natürlich alles in Absprache mit dem Tierarzt. Aber ich denke, das ist nach dem Text oben mittlerweile klar.

Ein eigenes Fass: Zähne
Weiter geht es mit dem nächsten Thema zur Gesundheit: Zähne. Ich achte darauf, dass die Zähne meiner Hunde sauber sind. Also wirklich richtig sauber und das immer. Nun habe ich das „Glück“ (?), dass meine Hunde in der Regel von sich aus saubere Zähne haben. Da sie nicht alle miteinander verwandt sind, vermute ich, dass zusätzliche Faktoren außer der Genetik eine maßgebliche Rolle spielen. Einzig meine beiden Hunde mit Niereninsuffizienz mussten die Zähne geputzt bekommen, was ich auch dann auch tue. Bei den anderen Hunden ist höchstens an den Fangzähnen oben hin und wieder ein wenig Belag, den ich regelmäßig mit einem Mikrofasertuch entferne.
Abgebrochene Zähne kommen bei meinen Hunden in jedem Alter im Übrigen so schnell wie möglich raus. Auch „wenn er noch frisst“. Sie sind sozusagen das nicht zu verschließende Eingangstor mit rotem Teppich für Erreger. Gegen diese muss das Immunsystem des Hundes die ganze Zeit ankämpfen, was dann letztendlich auch das Organsystem enorm belastet. Ich vermute, dass Herz- und Nierenprobleme damit gepuscht werden. Das wäre mir das Risiko nicht wert.
Apropos Risiko: Viele möchten ihrem alten Hund keine Narkose mehr „zumuten“, weil sie zu gefährlich sei (und ihn stattdessen mit entzündeten, schmerzenden Zähnen weiterleben lassen). An dieser Stelle sei gesagt, dass das Risiko für Komplikationen einer Narkose mit steigendem Alter und Vorerkrankungen – wundert jetzt wenig – höher ist als bei jungen und gesunden Tieren. Trotzdem ist es heute erstaunlich gering. Dank der hohen Standards, die in der Tiermedizin Einzug gehalten haben, sind Narkosen so sicher wie noch nie. Wer sich darüber mehr informieren möchte, dem empfehle ich diese Podcastfolge der Tierklinik Oberhaching: Folge 17 – Moderne Anästhesie in der Tiermedizin – sichere Narkose für Hund, Katze & Co

Es steht für mich daher in keinem Verhältnis dem Hund diese Behandlung vorzuenthalten. Hierbei ist es sinnvoll sich vorab zu informieren, wie der entsprechende Tierarzt das Narkosemanagement betreibt und ob es sich auf dem aktuellsten Stand befindet. Ein Tierarzt, der mir sagen würde, der Hund soll seine gammeligen Zähne lieber behalten, weil die Narkose zu gefährlich sei, hätte mich ganz sicher zum letzten Mal gesehen.
Und, wenn wir schon bei Zahn-OPs sind: Ich kann nur jedem raten beim geringsten Verdacht ein Dentalröntgen zu machen. Oder, wenn der Hund wegen etwas anderem in Narkose muss, das gleich mit dazu zu nehmen. Das Argument, dass die Zähne von außen doch noch gut aussehen, gilt nicht. Ich hatte es bei meinem Spitz. Zeitlebens hatte er schöne Zähne, keine Probleme. Dann stellte ich an nur einen Zahn leichte Zahnsteinbildung fest. Ich machte sofort einen OP-Termin zum Ziehen mit Dentalröntgen aller Zähne aus. Meine Tierärztin fand das etwas übertrieben, fügte sich aber. Es kamen drei Zähne raus. Der betreffende und noch zwei, bei denen sich an der Wurzel Entzündungen gebildet hatten. Ich lag also richtig. Der Hund fraß übrigens komplett unauffällig. Nach dieser ersten Zahn-OP hatte ich einen Spitz-Opi, der in den Jungbrunnen gefallen schien. Jetzt erst bemerkte ich was das mit ihm gemacht hatte. Die Schmerzen müssen zermürbend gewesen sein. Leider steigerte sich das Zahnthema einige Monate später wieder hoch, sodass ich ihm im Alter von 16 Jahren in einer Klinik beim Spezialisten die Zähne noch einmal komplett röntgen ließ. Ich wollte einen Facharzt, damit das Thema sich nicht unnötig in die Länge zog und, für den Fall einer Operation sollte es in einer Klinik mit dem zu dieser Zeit besten Narkosemanagement sein. Der Spezialist erklärte mir anhand der Bilder, dass alle Wurzeln Anzeichen von beginnenden Entzündungen zeigten und bald „explodieren“ würden. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem er bereits unter Antibiotikum und Entzündungshemmern stand! Die Entscheidung fiel, alle Zähne kamen raus. Das war eine heftige OP für den kleinen Opi und es brauchte einige Tage bis er sich erholt hatte. Doch dann merkte man seinem Körper an, dass dieser brodelnde Herd nicht mehr da war. Im Übrigen bekam er in der Vorbereitung zu dieser OP noch eine Herzuntersuchung beim Spezialisten und wurde auf Herzmedikamente und Blutdrucksenker eingestellt.

Bewegung, Physiotherapie und mehr …
Trotzdem ist der medizinische Bereich noch nicht am Ende. Damit meine Hunde möglichst lange fit und munter am Leben teilhaben können, benötigen sie einen funktionierenden Bewegungsapparat. Dieses Thema fängt schon an, wenn viele Hundehalter das Seniorenalter noch gar nicht im Sinn haben, nämlich in der Welpen- und Junghundezeit. Hier werden die Stellschrauben für den zukünftigen Verschleiß maßgeblich mitbestimmt. Es geht um ein gesundes Mittelmaß. Freie Bewegung ohne Aufgabenstellung sind meiner Meinung das A und O. (Ich habe mich darüber im Jahr 2025 mal direkt mit Prof. Dr. Martin S. Fischer unterhalten, der es ähnlich sieht.) Aufgaben sind das Nach- bzw. Mitlaufen beim Spazierengehen, Ausbildung für den Hundesport, Beschäftigungsaufgaben und die Ausbildung für die Arbeit. Natürlich gehe ich mit meinen jungen Hunden auch spazieren. Allerdings in Maßen. Sportliches Training, Denkaufgaben oder gar die Arbeit am Vieh beginne ich aber erst langsam, wenn sie etwa ein bis eineinhalb Jahre alt sind. Aber auch dann ist der Bewegungsapparat noch nicht fertig. Das sollte man in meinen Augen immer im Hinterkopf haben. Das Gehirn im Übrigen auch noch lange nicht, dem tut es auch gut nicht überlastet zu werden.
Die Bewegung steigere ich, in etwa im gleichen Alter, also mit einem bis eineinhalb Jahren. Wenn es noch möglich ist, gehen wir neben den normalen Spaziergängen noch Rad fahren, später joggen, wenn die Senioren das Tempo nicht mehr halten können. Große Spazierrunden auf unebenen, weichen Untergründen gehören zum Alltag. Groß bedeutet mindestens eine Stunde. Wir gehen zwei Mal am Tag spazieren. Eine kurze Runde von etwa einer halben Stunde, eine große Runde von mindestens einer Stunde. Einige Male die Woche ist die auch eineinhalb bis zwei Stunden lang.
Regelmäßige Termine zur Physiotherapie und Krankengymnastik gehören in jedem Alter dazu. Der Abstand der Termine bzw. die Übungen für daheim werden der Thematik des jeweiligen Hundes angepasst. Bei den alten Hunden ist daher die Frequenz deutlich höher als bei meinen jungen, gesunden Hunden. Aber auch bei den jungen Hunden kamen durch diese Vorsorgetermine nicht nur selten „Kleinigkeiten“ zutage, die ich gar nicht bemerkt hatte. Es ist immer besser diese zu beheben bevor sie sichtbar werden, denn das würde bedeuten, dass es daraus ein größeres Problem geworden ist.

Gewicht
Ich achte darauf, dass meine Hunde schlank sind. Also wirklich schlank, nicht nur „nicht zu dick“. Hierbei stelle ich immer wieder fest, dass Hundehalter ihre Hunde schlank finden, obwohl sie es gar nicht sind. Alle kennen den „Rippentest“. Klar, man muss sie fühlen können. Aber wie man sie fühlen können muss, wird in der Regel sehr breit ausgelegt. Daher finde ich einen Anhaltspunkt ganz gut, den ich in einem Podcast einer Ernährungstierärztin gehört habe: Es sollte sich so anfühlen, wie wenn man mit den Fingern über den Rücken der eigenen Hand gleitet, also über die Mittelhandknochen, wenn man die Hand zur Faust macht. Und dann staunen viele. So dünn? Dann sieht man bei einem kurzhaarigen Hund ja die Rippen, wenn er sich bewegt. Ja, genau so ist es. Und wer immer noch nicht überzeugt ist, kann sich informieren. Es gibt Studien, die belegen, dass Übergewicht ganz konkret Lebenszeit kostet. Und hier geht es ja um genau diese.

Palliative Behandlung
Der Begriff lässt schlucken. Denn jeder weiß, dass er dafür steht, dass man etwas nicht mehr vollständig „reparieren“ kann. Er bedeutet so was wie „Das war’s, jetzt geht es nur noch abwärts. Der Tod ist nah.“ In gewisser Weise stimmt das auch. Doch man darf dem meiner Meinung nach nicht tatenlos zusehen. Dank der modernen Medizin gibt es für viele chronische Erkrankungen effektive Medikamente, die dem Hund das Wichtigste geben, was er bekommen kann: Lebensqualität. Doch palliative Behandlung trägt ebenfalls zu einem längeren Leben bei! Denn unbehandelte Erkrankungen verbrauchen mehr Ressourcen und führen zu einem schnelleren Abbau. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig. Hierbei liegt mir vor allem das Thema Schmerzen am Herzen. Ich bekomme immer wieder mit, dass alten Hunden effektive Schmerzbehandlung vorenthalten wird, weil die ja auf die Nieren geht oder weil der Hund ja nichts zeigen würde, schließlich frisst der ja noch. Puh, ich versuche an dieser Stelle nicht aus der Hose zu springen. Es fällt mir zugegebenermaßen schwer.
Zunächst etwas zum Thema: „Ich erkenne ja wohl, dass mein Hund Schmerzen hat!“ Nein. Gerade bei chronischen Schmerzen, lautet die Antwort leider immer wieder schlicht „Nein“. Und das beziehe ich auch auf mich! Immer wieder habe ich Verhaltensveränderungen meiner alternden Hunde auf „Seniorenschrulligkeiten“ geschoben, die in Wirklichkeit die Auswirkungen von chronischen Schmerzen waren. Man will ja nicht bei allem den Teufel an die Wand malen. Das zeigte sich dann, wenn die Hunde Schmerzmittel bekommen haben und das Verhalten sich änderte oder ganz weg war. Aus dieser Beobachtung habe ich für mich beschlossen, dass ich beim geringsten Zweifel sofort die Gegenprobe mache und dem Hund über mehrere Tage Schmerzmittel gebe um auszuschließen oder zu bestätigen, dass Schmerzen eine Rolle spielen. An der Stelle möchte ich gerne zu diesem Artikel verlinken. Es handelt sich um einen Artikel der Zeitschrift GEO: Würden Sie erkennen, wenn Ihr Hund Schmerzen hat?

Und nun noch die Kurve zum Thema „Schmerzmittel gehen auf die Nieren/auf die Leber!“. Da kommt den Hunden zugute, dass sich die Tiermedizin in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat. Es gibt immer mehr verfügbare Wirkstoffe und präzise abgestimmte Dosierungen. Mein Spitz bekam die letzten Wochen seines Lebens parallel vier Medikamente wegen seiner Schmerzproblematik durch die Hüfte und den Rücken. Darunter ein Medikament im „Off-Label-Use“, also ein Medikament, das seine Zulassung nicht zur Schmerzbehandlung hat und das zudem aus dem Humanbereich kommt. Es war ein Versuch, der sich als sinnvoll herausgestellt hat. Ein derzeit leider zu unrecht verschrienes Schmerzmittel bekam er übrigens über vier Jahre ohne erkennbare Nebenwirkungen. Die anderen kamen nach und nach hinzu, als sich zeigte, dass das eine nicht mehr ausreichte. Zudem bekam er noch ein Herzmedikament und Blutdrucksenker. Ohne das alles, hätte ich ihn viel früher gehen lassen müssen, wenn es nicht zur Quälerei ausarten sollte.
Für mich ist ein Indikator für Lebensqualität, dass ein Hund sich jederzeit von selbst von A nach B bewegen kann. Er muss noch Interesse haben, am Leben generell, daran spazieren zu gehen, Zeitung zu lesen, Spaß an Beschäftigung haben und so weiter. Und da gehört Schmerzfreiheit zwangsläufig dazu. Sollten die Nieren oder die Leber vorher schlapp machen, dann ist das eben so. Dann setzen sie das Ende. Deshalb dem Hund Schmerzmittel zu verwehren, fände ich richtig mies. Auch, wenn ich meine Hunde möglichst lange an meiner Seite wissen möchte, steht deren Wohlbefinden immer an erster Stelle!

Fütterung
Und hiermit schlage ich den Bogen zum nächsten Bereich, der tatsächlich auch immer wieder konkret nachgefragt wird: Wie ich füttere. Meist wird direkt gefragt, ob ich „barfe“. Nein. Oh, dann füttere ich Fertigfutter. Nein, auch nicht. Ja, was denn dann?
Auch hier noch einmal der Hinweis: Ich beschreibe die Punkte, von denen ich denke, dass sie eine Rolle spielen könnten. Daher definiere ich zunächst was ich unter Barfen verstehe bzw. was mir unter dieser Bezeichnung geschildert wird und sich zu meiner Fütterung unterscheidet. Beim Barfen wird ein sehr hoher Anteil an Muskelfleisch und Innereien gefüttert. Von solchen Mengen bin ich tatsächlich weit entfernt. Ich habe das Glück, dass ich Schlachtabfälle und Alttiere verfüttern kann. Das bedeutet, dass der tierische Anteil meiner Fütterung sich nicht ausschließlich auf Muskelfleisch und Innereien bezieht, sondern auf alles, was an so einem Tier dran ist (Haut mit Fell, Klauen, Knochen, Bindegewebe, Muskelfleisch, Innereien, Pansen, Köpfe etc.), oft abzüglich der großen Muskelstücke, weil die in den menschlichen Verzehr gehen. Die „bösen“ Schlachtabfälle sind also das, was ich bevorzuge.
Noch ein Unterschied zum mir bekannten Barfen: Ich verfüttere niemals Gewolftes. Manchmal bekomme ich Reste geschenkt, weil der Hund das nicht frisst oder verstorben ist. Dann koche ich es vor dem Füttern, weil die Anzahl der Erreger aufgrund der Oberflächenvergrößerung sicher sehr, sehr hoch ist. Damit würde ich keinen Hund belasten wollen. Das wäre mir viel zu riskant. Ich will mir gar nicht ausmalen wie sehr ein Immunsystem kämpfen muss, das jeden Tag damit zu tun hat. Wenn ich mal kein Frischfleisch habe, nutze ich auch Reinfleischdosen.

Die zweite Mahlzeit besteht aus gekochtem Getreidebrei (Weizen- oder Gersteflocken), hin und wieder mal gekochte Kartoffeln oder Reis, wenn was vom eigenen Essen übrig ist, mit Gemüse, Öl und Zusätzen wie Jod und so weiter. Ich versuche dabei resistente Stärke zu nutzen. Das heißt, dass ich es bewusst lange koche und für mehrere Tage vorbereite und im Kühlschrank stehen lasse. Wenn ich mal vergessen habe etwas vorzubereiten, nehme ich stattdessen getrocknetes Brot und püriere es mit Gemüse. Ich nutze dafür oft Möhren, Salat, Gurken und viele, viele Zucchini, weil wir die selbst im Garten haben. Das Ganze wird mit einem Klecks Joghurt gepimpt. Kanne Brottrunk ist bei jeder Mahlzeit dabei. Öle und eine Jodquelle.
Und in welchen Verhältnissen füttere ich das alles? Tatsächlich habe ich das nach dem Buch Ernährung des Hundes, Grundlagen – Fütterung – Diätetik Begründet von Helmut Meyer von Jürgen Zentek, ISBN 9783132461093, durchgerechnet. Das Verhältnis der kompletten tierischen Komponenten beträgt ca. 50%. Ich habe ausgerechnet was der Mindestbedarf ist, denn ich möchte nicht mehr tierische Anteile verfüttern als notwendig, wenn ich die Energie durch z. B. Getreide zuführen kann. Das ist für den Verdauungstrakt und die Tiere, die ich verfüttere besser. Der Anteil des Getreides dürfte bei ca. 25-30% liegen. Meine Hunde bekommen zur Belohnung je nach Tag (wenn ich viel übe mehr) und Trainingsstand Trockenfutter als Leckerchen. Zusätzliche Kauartikel gibt es hier nicht, da sie ja regelmäßig Knochen fressen.
Und, wenn ich mal alles vergessen habe, gibt es auch mal Trockenfutter. Das mixe ich allerdings mit Wasser und etwas Brottrunk oder Joghurt, bis es einen fließfähigen Brei ergibt. Ansonsten trinken meine Hunde nämlich einige Stunden später wie die Löcher und fressen Gras. Das ist nicht der Fall, wenn ich den Brei draus mache.

Pülverchen und so ein Zeug
Mir fällt gerade auf, dass ich fast etwas vergessen hätte: Futterzusätze. Manche davon sind evidenzbasiert, viele nicht. Dessen bin ich mir bewusst. Doch ich kann es mir nicht verkneifen ergänzend dem jeweiligen Hund für seine Problematik Futterzusätze zu geben. Dabei habe ich über die Jahre natürlich etwas herumgetüftelt. Nicht alles ist im Repertoire geblieben. Und ich teste auch immer mal wieder Neues. Ich bevorzuge dabei Einzelzusätze, also keine Mischungen. Bei Mischungen möchte ich keine oder kaum Füllstoffe und eine klare Deklaration haben. Wenn möglich, bevorzuge ich es in der Apotheke zu kaufen, weil bei diesen Produkten der Wirkstoffgehalt überprüft wird. So ein Klassiker ist dabei in meinen Augen Mariendistel bei Leberproblemen. Es gibt bergeweise Mischungen für die Leber für Hunde auf dem Markt. Auch von Tierärzten vertrieben. Doch der Wirkstoff der Mariendistel, der die Leber unterstützen soll, ist extrem sauerstoffempfindlich. Ich vermute, der Hund bekommt bei einer solchen Mischung daher vom eigentlich Wirkstoff gar nichts mehr ab. Ich bevorzuge Humanpräparate aus der Apotheke, die preislich viel höher liegen. Aber nicht nur bei meinen Hunden haben diese bei schlechten Leberwerten für eine erfreuliche Entwicklung in der Vergangenheit gesorgt, woran keiner mehr glaubte.

Noch einmal Futter, diesmal für den Kopf
Die nächste Komponente, bei der ich davon ausgehe, dass sie zu einem langen, gesunden Leben beiträgt, ist Beschäftigung. Oft wird mit älteren Hunden in dieser Hinsicht nichts mehr gemacht. Das will der ja eh nicht mehr, sagen viele Besitzer. Dabei frage ich mich, ob es für den Besitzer nicht eher ganz praktisch ist, dass der das angeblich nicht mehr will …?
Ich bilde mir ein, dass das zum Abbau beiträgt. Geistige Beschäftigung und natürlich auch körperliche Beanspruchung im Rahmen des Alters und der körperlichen Möglichkeiten sind in meinen Augen wichtige Faktoren für Zufriedenheit. Dabei zeigt sich, dass nicht jede Beschäftigung im Alter für die Hunde spannend ist.

Alle meine Border Collies interessierten sich bisher im Alter irgendwann nicht mehr für die Schafe. Das hätte ich früher nie geglaubt. Ich dachte immer, DAS würde nie erlöschen, wenn, dann eher alles andere. Doch es ist genau andersherum. Hobby-Mantrailing und/oder Dummytraining oder etwas anderes waren bzw. sind immer noch ein Highlight! Bei meinem Spitz erlebte ich so einen richtigen Aha-Moment. Als ich mal krank war und er deshalb im Alter von 16 Jahren eine Weile kein Hobby-Mantrailing mehr machte, dachte ich, das würde den gar nicht stören. So ein Spitz ist ja nun auch nicht auf derartige Arbeit selektiert. Als ich damit wieder anfangen konnte, blühte er förmlich auf und war am nächsten Tag ein anderer Hund! Zwei Mal die Woche machte er das übrigens.
In meinen Augen sollte man daher ein wenig herumprobieren, was dem eigenen Senior liegt, wofür er noch brennt. Bisher gab es auch in meiner Hundeschule fast immer etwas, was man auch im Alter noch machen konnte.

Mein persönliches Fazit
Möchte man, dass der Hund mit guter Lebensqualität alt wird, muss man in meinen Augen Einsatz bringen. Finanziell und zeitlich. Und zwar nicht nur mal kurz, sondern stetig. Ich verurteile niemanden, der diesen „Aufriss“ nicht macht. (Solange er dafür sorgt, dass der Hund schmerzfrei ist!) Und dann eben früher einen Schlussstrich zieht. Ich wollte nur schildern, wie es bei mir läuft.

Ich möchte mich aus diesem Text mit einem Video von Heinz Grundel verabschieden. Es ist ein Video über ein Hundeleben mit all seinen Abenteuern und Lebensphasen. Es ist so unfassbar liebevoll gemacht. Ich muss am Ende immer weinen. Mir wird dadurch klar, welches Glück meine bisher verstorbenen Hunde hatten, viele dieser Abenteuer und Lebensphasen erleben zu dürfen. Und ich durfte dabei an ihrer Seite sein.